Emil Wiedemann vom Hardenberg-Gymnasium in Fürth war in den ersten beiden Jahren des Wettbewerbs, 1998/99 und 1999/2000, Landessieger. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Vereins QED e.V., der sich aus den Ferienseminaren für die Landessieger gebildet hat und deren erster Vorsitzender Emil Wiedemann war. Inzwischen studiert er an der Ludwig-Maximilians Universität in München Mathematik und ist Stipendiat des Maximilianeums in München.
Emil Wiedemann schreibt zur Mathematik und zum Landeswettbewerb:
Meine erste und bislang einzige Begegnung mit Gabriele Pauli liegt nun über zehn Jahre zurück, als noch niemand ahnte, zu welcher Prominenz sich die Fürther Landrätin dereinst aufschwingen würde. Sie schüttelte mir damals in ihrer Funktion als Schirmherrin der Fürther Mathematik-Olympiade die Hand und gratulierte mir zum Gewinn eines Preises in diesem Wettbewerb.
Mehr aber als das Grußwort und die Glückwünsche der Landrätin interessierte mich die Rede des Wettbewerbsleiters, der einen neuen Landeswettbewerb Mathematik für Bayern ankündigte, der im folgenden Jahr starten sollte. So also kam es, daß ich am allerersten bayerischen Landeswettbewerb teilnahm, der - und das ist wohl nicht einmal übertrieben - mein Leben verändern sollte, auch wenn sich das nun arg pathetisch anhören mag. Jedenfalls bin ich mir nicht sicher, ob ich ohne den Landeswettbewerb und seine Folgen jemals Mathematik studiert hätte.
Mit mehr Glück als Verstand erreichte ich damals das Preisträgerseminar, das vom jetzigen Wettbewerbsleiter Albrecht Kliem geleitet wurde. Dort saß man in Vorträgen und erlebte erstmals die Situation, daß jemand an der Tafel steht und Sachen erzählt, die man nicht versteht; auch mußte fast jeder von uns feststellen, daß es noch bessere Mathematiker gibt als ihn selbst. Diese beiden Frustrationsquellen treten, wie ich im Studium erfuhr, immer wieder auf, darum ist es gut, man gewöhnt sich frühzeitig daran. Zu frustrierend war das Seminar dann aber doch nicht, im Gegenteil: Herrn Kliems verhängnisvoller Hinweis, die Goldbachsche Vermutung sei noch ungelöst (es handelt sich um eine Aussage, die leicht formuliert, aber bislang nicht bewiesen werden kann), führte auf Teilnehmerseite zu begeisterten Versuchen, das Problem zu lösen, leider ohne Erfolg, dafür bis tief in die Nacht. Ein weiteres, allerdings schon seit Jahrhunderten gelöstes Problem, das uns nichtsdestotrotz ebenso fesselte, handelte von Bauklötzen, die man mit dem Ziel, einen möglichst großen Überhang zu erzeugen, aufeinanderlegt. Natürlich kracht in der Praxis der Turm aus Bauklötzen bereits nach wenigen Schritten zusammen, im mathematischen Modell jedoch kann man beliebig große Überhänge produzieren, wenn man nur genügend Bausteine zur Verfügung hat. Diese faszinierende Tatsache läßt sich durch die Divergenz der harmonischen Reihe erklären, und in der Tat ist die harmonische Reihe bis heute eine meiner Lieblingsreihen.
Aus diesem Seminar entstand der Schülerverein „Quod erat demonstrandum“, dessen Gründungmitglied ich war. Über diesen Verein besteht nach wie vor Kontakt zwischen vielen Preisträgern der ersten Stunde im Landeswettbewerb, die mittlerweile bald mit ihrem Studium fertig sind. Und die allermeisten haben tatsächlich Mathematik, Physik oder verwandte Fächer studiert. Dazu haben sicherlich Landeswettbewerb und QED mit beigetragen. Das Erlebnis, an einem spannenden Problem zu sitzen und es nach vielen Überlegungen und auch Irrwegen endlich zu lösen (oder auch nicht), habe ich zuerst im Landeswettbewerb gehabt, und später auch im Studium; ob aber alle Studenten der Mathematik ihr Fach als Schatztruhe begreifen, die spannende und schöne Probleme und Theorien beherbergt, wage ich zu bezweifeln: Allzuoft bleiben viele in den Subtilitäten der Theorie hängen und sehen kaum, welche eleganten und raffinierten Ideen sich dahinter verbergen. Nach der Schönheit in und dem genialen Gedanken hinter mathematischen Sätzen und Theorien zu suchen, ist aber sicher etwas, was uns der Landeswettbewerb Mathematik beigebracht hat, und dafür bin ich sehr dankbar.