Anne Fernengel vom Friedrich Dessauer Gymnasium in Aschaffenburg war in den Jahren 2002 bis 2005 viermal Landessiegerin beim LWMB.
Bereits im Jahr 2004 wurde sie erstmals Bundessiegerin beim Bundeswettbewerb Mathematik. Diesen Erfolg konnte sie bisher viermal wiederholen. Damit ist sie die erfolgreichste Schülerin in der fast 40jährigen Geschichte des Bundeswettbewerbs. Als Frühstudentin wird sie zu ihrem Abitur im Juni 2008 auch das Vordiplom Mathematik an der Uni Würzburg abgelegen.
Anne Fernengel schreibt zur Mathematik und zum Landeswettbewerb:
„Der Mangel an mathematischer Bildung gibt sich durch nichts so auffallend zu erkennen, wie durch maßlose Schärfe im Zahlenrechnen“, sagte einmal der Mathematiker Carl Friedrich Gauß und brachte dabei Fundamentales über das Wesen der Mathematik auf den Punkt: Mathematik ist mehr als Rechengeschick und das Ausführen fester Formschemata und Algorithmen, mehr als das, was in zahlreichen Bereichen unseres Lebens Anwendung findet und dessen Relevanz niemand anzweifeln will. Mathematik, das sind unumstößliche Wahrheiten, etwas Ewiges von Bestand, Strukturen, die sich zu einem Ganzen zusammenfügen. Oft fallen in diesem Zusammenhang Begriffe wie Kreativität, Schönheit, Harmonie, aber auch Disziplin, Ausdauer, Durchhaltevermögen. Man muss einmal die Erfahrung gemacht haben, über einem Problem zu sitzen, Stunden, Tage, um zu wissen, was das bedeutet. Hat man schließlich eine Lösung gefunden, kommt mit dieser das Gefühl: „Ich habe es geschafft.“ Freilich ist es heute, wo es immer und überall so viel zu tun und mehr Beschäftigungsmöglichkeiten gibt, als man es sich vorstellen könnte, ein weiter Weg bis zu diesem Schritt. Wie kommt man dazu, sich mit Mathematik zu beschäftigen?
Den ersten Kontakt mit „echten“ mathematischen Fragestellungen und Problemen, die über den Schulunterricht hinausgehen, hatte ich wahrscheinlich mit 10 Jahren im Mathematik-Pluskurs an meiner Schule und war schnell begeistert. Angetrieben durch Neugier und Spaß am Knobeln stößt man dann von einem Problem auf das nächste, Zusammenhänge erschließen sich, jeder Schritt bringt eine neue Einsicht. Fasziniert hat mich dabei immer die Exaktheit, die mit der Mathematik auf so natürliche Weise verbunden ist, während sie in anderen Bereichen so oft fehlt. Dabei leisten Mathematik-Wettbewerbe einen wichtigen Beitrag, Schüler zum „Dranbleiben“ zu motivieren: Sie bieten einen unterhaltsamen Rahmen, sich mit Mathematik zu befassen und sind in sicher nicht wenigen Fällen ein Ausgangspunkt für einen Abstecher, eine Reise in die Mathematik oder sogar einen Weg mit der Mathematik. Insgesamt habe ich am Landeswettbewerb fünf Mal teilgenommen und es hat mir immer großen Spaß gemacht. Interessante Fragestellungen und knifflige Probleme stellen eine Herausforderung, bieten Beschäftigung, die Spaß macht und einen Ausgleich zum grauen Schulalltag. Dabei lernt und erprobt man weit mehr als logisch-analytisches Denken, Durchhaltevermögen und Disziplin: Man taucht ein in die Mathematik, erweitert seinen Horizont, oft kommt ein Stein ins Rollen, der kaum mehr zu stoppen ist. Dabei bieten die Seminare für die Landessieger die ganz besondere Gelegenheit, einerseits viel Neues zu lernen, was zur Teilnahme an weiterführenden Wettbewerben wie z.B. dem Bundeswettbewerb Mathematik animiert, aber auch Gleichaltrige kennen zu lernen mit ähnlichen Interessen. Man treibt Mathematik, spielt und musiziert – und sieht endlich: es gibt Leute die mich verstehen… Durch den Landeswettbewerb bin ich auch zum Verein Q.E.D. gekommen, der drei bis vier Mal im Jahr Seminare für seine Mitglieder organisiert, wo in lockerer Atmosphäre Vorträge gehört werden, und auch freizeitliche Aktivitäten nicht zu kurz kommen. Jedes dieser Treffen ist mir bis heute in Erinnerung geblieben als ein tolles Erlebnis, das stärkt und ermuntert, den begonnenen Weg fortzusetzen.
Zum Schluss möchte ich danke sagen, dem Landeswettbewerb und Herrn Kliem für sein unermüdliches Engagement – außerdem natürlich gratulieren zum zehnjährigen Bestehen, viel Glück wünschen für die Zukunft, Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme einladen. Ich kann nur sagen: Es lohnt sich!